Home

Neue Debatte über die Gestaltung des
Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Leiter der KZ-Gedenkstätten warnen vor „Verfälschung der Geschichte“

Die Debatte über die künftige Gestaltung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen ist neu entflammt. Mitte März wandten sich die Leiter der deutschen KZ-Gedenkstätten und verschiedene andere Persönlichkeiten mit einem Offenen Brief an den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und den Regierenden Bürgermeister von Berlin. Darin brachten sie ihre „große Sorge“ über die geplante Umgestaltung des Berliner Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zum Ausdruck. Die Unterzeichner des Briefes befürchten eine „Verzerrung und Verfälschung der Geschichte wie des Andenkens an die Verfolgten“. 

Hintergrund ist die Ausschreibung für einen neuen Film, der künftig in dem im Mai 2008 eingeweihten Denkmal gezeigt werden soll. Bislang ist dort eine Kussszene zweier Männer zu sehen, weil im „Dritten Reich“ Küsse zwischen Männern strafbar waren.  Der neue Film soll laut Ausschreibungstext eine „gleichgeschlechtliche Kussszene“ zeigen. Demnach könnte künftig z.B. auch ein lesbischer Kuss gezeigt werden, wie es von verschiedenen Seiten im Sinne einer angeblichen „Gleichberechtigung“ bereits gefordert wurde. Darin sähen die Unterzeichner des Briefes eine „Verfälschung der Geschichte“. Denn es sei „historisch nicht zu belegen, dass lesbische Frauen im Nationalsozialismus individueller Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausgesetzt gewesen seien. Genau dieser Eindruck würde aber erweckt, wenn im Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen künftig ein Film mit einer Kussszene lesbischer Frauen gezeigt würde“. 

Im Gegensatz zu lesbischen Frauen waren homosexuelle Männer im Nationalsozialismus massiven Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt. Nach dem 1935 maßlos verschärften § 175 des Strafgesetzbuches wurden rund 50.000 Männer verurteilt. Etwa 10.000 schwule Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt, mit dem „Rosa Winkel“ gedemütigt, gefoltert und in vielen Fällen ermordet. Ihre Todesrate lag bei etwa 60 Prozent. 

Über den neuen Film im Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen soll eine Jury entscheiden, die am 24. März 2010 zum ersten Mal tagte. Der Offene Brief wurde unter anderem von den Leitern der KZ-Gedenkstätten Sachsenhausen, Ravensbrück, Dachau, Buchenwald, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen, Neuengamme und Flossenbürg unterzeichnet. Im Folgenden dokumentieren wir den Offenen Brief ebenso wie verschiedene Reaktionen darauf.


Offener Brief der KZ-Gedenkstättenleiter vom 18. März 2010


Reaktion des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vom 24. März 2010 

 

Berichterstattung in der Presse:

FAZ, 19. Mai 2010: Abschiedskuss für die Geschichte

Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010: Entwertung der Geschichte

Deutschlandfunk, 12.4.2010: Streit um Homosexuellendenkmal in Berlin

Tagesspiegel, 6.4.2010: Küssende Frauen statt küssender Männer

Emma, 6.4.2010: NS-Verfolgung von Lesben wird weiter geleugnet

Berliner Zeitung, 30.3.2010: Homosexuelle im Tiergarten

Süddeutsche Zeitung, 26.3.2010: Elendige Kuss-Quote

Die Presse, 25.3.2010: Marginalie: Die Legende der verfolgten Lesben

ddp, 24.3.2010: Kritik an Gestaltung des Denkmals für verfolgte Homosexuelle zurückgewiesen

Die Welt,  24.3.2010: Streit um Umgestaltung des Homosexuellen-Mahnmals

epd, 22.3.2010: Streit um Homosexuellen-Mahnmal in Berlin 

Frankfurter Rundschau, 19.3.2010: Kusswechsel
 

 
für die gesamte Website: © Alexander Zinn 2008
Aller verfolgten im Nationalsozialismus gedenken - Winkel in allen Farben der Haftgruppen